Ein Wecker war an diesem Morgen überflüssig.
Stattdessen wurden wir von lautem Poltern und Scheppern auf unserem Blechdach geweckt. Es rumpelte, es klopfte, es sprang. Ziemlich eindeutig: Affen. Offenbar herrschte über unseren Köpfen reger Morgenbetrieb.
Sie jagten sich durch die Bäume und nutzten unser Dach als praktische Abkürzung. Jeder Satz ein dumpfer Schlag, jedes Gerangel ein neues Geräusch. An Weiterschlafen war nicht zu denken. Dieses Spektakel war herrlich und erinnerte an die eigenen zankenden Menschenkinder.
Punkt 9 Uhr machten wir uns auf den Weg Richtung Yala Nationalpark.
Nine Arch Bridge – zwischen Postkartenmotiv und Massenmoment
Bevor wir Ella endgültig verließen, stand noch ein Klassiker auf dem Programm: die Nine Arch Bridge.

Ein Stück fuhren wir mit Nirosh und seinem Onkel im Bus, dann weiter mit dem TukTuk, das letzte Stück zu Fuß durch sattes Grün. Und plötzlich stand sie vor uns: diese geschwungene, fast 100 Jahre alte Eisenbahnbrücke aus Naturstein, eingebettet in dichten Dschungel.
Architektonisch beeindruckend.
Landschaftlich spektakulär.

Und: völlig überlaufen.
Wir hatten „Glück“ – der Zug sollte in zwei Minuten kommen. Was bedeutete: maximale Spannung bei maximaler Menschendichte. Überall Kameras, Selfiesticks, Smartphones. Menschen positionierten sich millimetergenau. Die perfekte Perspektive war offenbar wichtiger als der Moment selbst.
Dann kam der berühmte blaue Zug.
Einige Fahrgäste hingen halb aus den offenen Türen, um das ultimative Foto von sich selbst auf der berühmten Brücke zu bekommen. Es wirkte fast surreal. Kaum jemand schaute einfach nur. Kaum jemand stand still.
Alles war dokumentiert.
Wenig war erlebt.
Die Brücke selbst? Wunderschön.
Die Atmosphäre? Irrwitzig. Ein bisschen unangenehm. Und gleichzeitig ein interessantes Zeitdokument unserer Art zu reisen.
Wir waren froh, es gesehen zu haben. Und ebenso froh, weiterzuziehen.
Ein Halt voller Stille – Buduruwagala
Auf dem Weg Richtung Süden machten wir einen Stopp bei den Buduruwagala Rock Carvings.
Mitten im Wald öffnet sich plötzlich eine große Felswand. Und dort, beinahe überwältigend, stehen sie: sieben in den Fels gehauene Figuren aus dem 9. oder 10. Jahrhundert. Die zentrale Buddha-Statue misst rund 15 Meter und wirkt trotz ihrer Größe erstaunlich sanft und ruhig.

Keine große Tempelanlage im klassischen Sinn, keine goldenen Dächer oder lauten Pilgergruppen. Stattdessen: riesige alte Bäume, warme Felsen, offener Himmel. Menschen sitzen im Schatten, einige meditieren. Alles wirkt still, respektvoll, fast zurückgenommen.

Ein sehr spiritueller Ort. Kraftvoll, aber unaufgeregt. Diesen Stopp mochte ich besonders gern.
„Washrooms“
Bevor wir weiterfahren konnten, meldete sich allerdings sehr weltlich der Körper. Steffi und ich mussten dringend. Ein handgemaltes Schild mit der Aufschrift „Washrooms“ an einer kleinen Kneipe schien die Rettung.
Zwei Herren wiesen uns freundlich den Weg.
Die Überraschung folgte sofort: Loch im Boden.

Nun sind lange, flatternde Tempelhosen aus Respekt Pflicht – in Kombination mit dieser Sanitärlösung entsteht eine gewisse logistische Herausforderung.
Für dieses spezielle Erlebnis wurden umgerechnet 50 Cent fällig. Immerhin gab es einen modrigen Wasserhahn und ein ehemals weißes Seifenstückchen zum Händewaschen.
Ankunft in der Wildnis
Je näher wir Yala kamen, desto trockener wurde die Landschaft. Die Luft wärmer, die Vegetation niedriger. Bevor wir in unserer abgelegenen Lodge eincheckten, deckten wir uns im Supermarkt noch mit ausreichend Wasser und Snacks ein. In der Beschreibung hieß es schließlich, dass das Gelände aus Tierschutzgründen um 18 Uhr geschlossen wird.
Der Yala Nationalpark
Der Yala National Park liegt im Südosten Sri Lankas und ist der bekannteste und meistbesuchte Nationalpark des Landes. Auf rund 1.300 Quadratkilometern wechseln sich trockene Buschlandschaften, Lagunen, Seen, Felsformationen und dichter Wald ab. Gerade dieser Mix macht den Park so spannend.
Besonders berühmt ist Yala für seine vergleichsweise hohe Leoparden-Dichte. Theoretisch gehört die Chance, hier einen Leoparden zu sehen, zu den besten weltweit. Praktisch bleibt es trotzdem ein Glücksspiel. Neben Leoparden leben im Park: Asiatische Elefanten, Lippenbären, Wasserbüffel, Krokodile, Schakale, zahlreiche Affenarten, Mungos, über 200 Vogelarten und Schmetterlinge.
Was Yala besonders macht, ist die Weite. Staubige Pisten führen durch offenes Gelände, plötzlich tauchen Felsen aus der Ebene auf, dazwischen Wasserlöcher, an denen sich Tiere sammeln. Die Safaris finden ausschließlich mit registrierten Jeeps statt, begleitet von Fahrern mit spezieller Lizenz.
Geöffnet ist Yala in der Regel zweimal täglich: früh am Morgen und am späten Nachmittag. Mittags schließen die Tore, zum Schutz der Tiere und wegen der Hitze, die sowohl für Mensch als auch Tier extrem werden kann.
Blockierende Kuh
Der ohnehin schmale Weg zur Unterkunft wurde kurzzeitig von einer äußerst störrischen Kuh blockiert. Diskussion zwecklos. Kühe haben hier ganz offensichtlich Vorfahrt. (Dazu an anderer Stelle mehr.)
Gegen 13 Uhr erreichten wir schließlich unser Zuhause für die nächsten zwei Nächte. Und mit einem Schlag waren es wieder 30 Grad.
Die Kinder brauchten keine Sekunde: Pool gesichtet, Schuhe ausgezogen, rein ins Wasser.

Wir bezogen unser großzügiges Haus, ließen die Hitze und die Fahrt von uns abfallen und genossen einen ruhigen Nachmittag.
Denn klar war: Der Wecker würde am nächsten Morgen sehr früh klingeln. Eine Safari stand an.































































































