Der Wecker klingelte zu einer Uhrzeit, die im Urlaub eigentlich verpönt ist. Kurz vor sechs wurden wir abgeholt. Noch etwas verschlafen, aber voller Erwartung.
Dieses Mal passten wir alle in einen Jeep. Pubu war noch in Colombo bei ihrer Deutsch-Prüfung. Nirosh und Maama begleiteten uns.
Sonnenaufgang, Staub und Skepsis
Wir fuhren rasant dem Sonnenaufgang entgegen. Warmes Licht, flache Landschaft, diese besondere Stimmung kurz vor der Hitze.
Und dann: der Parkeingang.
Hunderte Jeeps. Menschen aus allen Ländern. Motorengeräusche, Stimmengewirr. Ich war geschockt. Das hatte wenig mit meinem romantischen Bild von stiller Wildnis zu tun.
In diesem Moment stellte ich mir die Frage:
Was bedeutet respektvoller Umgang mit Natur eigentlich, wenn sich so viele Fahrzeuge gleichzeitig durch einen Nationalpark bewegen?
Der Yala National Park ist einer der bekanntesten Parks Sri Lankas. Und genau das ist Chance und Problem zugleich. Der Tourismus finanziert Ranger, Schutzprogramme und Infrastruktur. Ohne Besucher gäbe es viele dieser Schutzgebiete vielleicht nicht mehr in dieser Form. Und doch fühlt es sich irritierend an, wenn Wildnis plötzlich nach Parkplatz aussieht.
Vielleicht liegt die Wahrheit – wie so oft – dazwischen. Es kommt auf Fahrer, Regeln und das eigene Verhalten an.
Während Carsten mit unserem Guide die Tickets organisierte, beobachteten wir das Treiben. Affen huschten zwischen den Jeeps hindurch und kontrollierten routiniert jedes Fahrzeug. Besonders amüsant: Ein Affe stahl einem Touristen seelenruhig einen Apfel und verspeiste ihn demonstrativ auf dem Autodach. Die Empörung auf der einen Seite, die Gelassenheit auf der anderen: Eine fantastische Szene und perfekter Zeitvertreib.
Zum Glück mussten wir nicht lange warten. Gegen sieben Uhr begann unsere Safari.
Raus aus der Kolonne
Zunächst bewegten wir uns in einer endlosen Jeep-Reihe durch den Park. Abgase statt Dschungelduft. Ich zweifelte kurz, ob ich das wirklich genießen würde. Doch dann bog unser Fahrer ab. Weg von der Kolonne. Rein in die Weite.
Und plötzlich war diese besondere Atmosphäre da: Staubige Wege, offene Ebenen, Wasserlöcher, Vogelrufe, rumpelige Routen.

Wir sahen Elefanten, Krokodile, Wasserbüffel, Mungos, Warane, Adler und die farbenprächtigen Dschungelhähne, offiziell Sri-Lanka-Kammhühner. Mit ihrem leuchtenden Gefieder wirken sie alles andere als gut getarnt. Ich fragte mich unweigerlich, was Mutter Natur sich dabei gedacht hat. Was für eine leichte Beute.


Die Landschaft im Yala war abwechslungsreich: trockene Buschflächen wechselten sich mit Seen, Felsen und dichterem Grün ab. Genau diese Mischung machte den Reiz des Parks aus und sorgte für eine erstaunliche Tierdichte.


Einen Leoparden konnten wir nicht entdecken, das soll wohl auch äußerst selten sein. Uns begeisterten schon die frischen Fußabdrücke im Sand.

Der Moment mit dem Elefanten
Später trafen wir wieder auf die Jeep-Kolonne. Ein riesiger Elefantenbulle bewegte sich direkt zwischen den Fahrzeugen hindurch. Gewaltig. Ruhig. Unbeeindruckt.
Unser Guide reagierte sofort, sammelte hektisch alle Lebensmittel ein. Vor zwei Wochen, erzählte er uns leise, hätten Touristen Snacks im Jeep behalten. Der Bulle roch es und kippte den Wagen um.
Wir wurden sehr still.
Und dann geschah etwas, das wir niemals vergessen werden:
Der Elefant kam direkt an unseren Jeep. Blieb stehen. Streckte seinen Rüssel aus. Und befühlte vorsichtig die Beine von Oma Steffi, die ganz vorne saß.
Kein hektischer Moment. Keine Panik. Nur Stille. Und dieser tief empfundene Respekt vor einem majestätischen Tier.
Dann ging er weiter.
Wir atmeten wieder. Und beglückwünschten Oma Steffi – wenn das kein Glück bringt.
Kurz ans Meer macht Lust auf mehr
Die Tour endete an einem wunderschönen Strand innerhalb des Parks, unsere erste Begegnung mit dem Meer auf dieser Reise. Weite, Wind, Wellen. Sofort wuchs die Vorfreude auf die kommenden Strandtage.


Zurück in der Lodge gönnten wir uns eine ausgedehnte Mittagspause inklusive Pool. Die Kinder glücklich, wir erschöpft, aber erfüllt.
Am Nachmittag nahmen uns Nirosh und Maama noch mit in ein kleines Local Restaurant und anschließend an einen Strand außerhalb des Parks. Badesachen hatten wir nicht dabei, also blieb es beim Barfußgang durchs klare Wasser. Es war ein sehr guter Vorgeschmack.

Am nächsten Tag sollte es weitergehen nach Galle. Strandzeit.
Würden wir es wieder tun?
Ja. Trotz der Jeep-Massen am Eingang. Trotz Abgas-Moment am Anfang.
Denn was bleibt, ist nicht die Kolonne. Was bleibt, ist der Elefant. Das frühe Licht.
Die Stille zwischen zwei Atemzügen.
Und die Erkenntnis, dass Natur nie Kulisse ist, sondern Begegnung.
Ein intensiver Tag. Voller Kontraste. Voller Respekt. Und voller Geschichten, die in unseren Herzen bleiben werden.



























































































