
Puerto Rico war unsere erste große Flugreise mit der ganzen Familie. Februar 2024, gut zwei Wochen, zu sechst und zeitweise zu acht. Drei Nächte San Juan, danach elf Nächte in einem Ferienhaus an der Westküste. Wer Karibik mit Kindern sucht und keinen Hotelkomplex will, findet hier ein ungewöhnlich unkompliziertes Ziel.
Warum Puerto Rico
Wir hatten eine Liste von Bedingungen: tropisch und im Februar warm, bezahlbare Flüge für eine große Familie, eigenes Auto vor Ort, Einreise ohne Visum, Verständigung auf Englisch, Meer und Berge, Anreise unter 24 Stunden mit höchstens einem Umstieg. Puerto Rico hat alle erfüllt.
Die Insel ist ein Außengebiet der Vereinigten Staaten. Gezahlt wird in US-Dollar, Amtssprachen sind Spanisch und Englisch, und deutsche Staatsangehörige reisen mit Reisepass und ESTA ein, also der elektronischen Einreisegenehmigung für die USA. Kein Visumstermin, kein Konsulat. Bitte die aktuellen Bedingungen vor der Reise prüfen, ESTA-Regeln und Gebühren ändern sich.
Im Vergleich zu anderen Karibikzielen ist Puerto Rico touristisch zurückhaltend. Wir haben in zwei Wochen kein einziges deutsches Wort gehört, und das war genau, was wir wollten.

Zwei Standorte, ein Mietwagen
Der Aufbau hat sich bewährt: erst drei Nächte in San Juan, mit Strand, Altstadt und Flughafen in der Nähe, dann mit dem Mietwagen an die Westküste nach Aguada. Dort hatten wir ein Haus mit vier Schlafzimmern, vier Bädern, Pool und Garten. Bei sechs bis acht Personen ist so ein Haus günstiger und entspannter als Hotelzimmer, und es löst das Problem der Mahlzeiten gleich mit.
Worauf wir bei der Suche geachtet haben: eigenes Haus, mindestens drei Schlafzimmer und mehrere Bäder, WLAN, Pool, Klimaanlage, Waschmaschine, umzäuntes Grundstück, Strandnähe. Die Waschmaschine klingt nebensächlich und halbiert das Gepäck.

Auto fahren auf Puerto Rico
Ohne Auto geht nichts. Die Straßen sind nicht für Fußgänger gemacht, Gehwege sind schmal oder fehlen. Rechtsverkehr, amerikanische Verhältnisse, Tankstellen alle paar hundert Meter am Highway, Benzin deutlich günstiger als in Deutschland. Der Straßenzustand ist abenteuerlich, Schlaglöcher gehören dazu.
Zwei Hinweise aus eigener Erfahrung: Vorfahrtsregeln werden gelegentlich pragmatisch ausgelegt, wer zuerst an der Kreuzung stand, fährt. Und Falschparken wird ernsthaft bestraft. Wir haben in Rincón einen Strafzettel über 150 Dollar bekommen, der nicht per Überweisung zu begleichen war, sondern bar auf der Polizeiwache. Parkschilder bitte lesen.
Der Vorteil des Mietwagens mit kleinen Kindern: endlich ein richtiger Kindersitz. In vielen Reiseländern gibt es den in Transfers nicht.

Was sich gelohnt hat
San Juan und die Festung El Morro
Die Altstadt mit ihren bunten Häusern und die Festungsanlage über dem Meer sind der historische Teil der Reise. Wir sind vormittags gegangen, weil es ab Mittag zu heiß wird, und haben den Nachmittag am Strand verbracht.
El Yunque, der Regenwald
Der einzige tropische Regenwald im US-Nationalparksystem, und er lässt sich bequem mit dem Auto erschließen: eine Straße führt hinauf, alle paar hundert Meter kann man aussteigen und auf einen Weg abbiegen. Toiletten, Foodtrucks und Beschilderung sind vorhanden. Hurrikan Maria hat 2017 große Teile zerstört, einige Wege waren bei unserem Besuch noch gesperrt. Von der Westküste sind es fast drei Stunden Fahrt, das ist ein ganzer Tag.
Der Trockenwald von Guánica
Das Gegenprogramm zum Regenwald, ein Biosphärenreservat im Südwesten. Bei hohen Temperaturen haben wir auf die große Wanderung verzichtet und nur ein kurzes Stück gemacht. Der Ranger am Eingang war geduldig und hat uns gut beraten.
Schnorcheln am Surfer’s Beach
Unser Lieblingsort, etwa 30 Minuten von Aguada. Klares Wasser, bunte Fische, Seeigel, Krebse. Wichtig: Der Untergrund ist scharfkantig, Badeschuhe sind nicht optional. Und die Brandung kann kräftig sein. An einem Tag haben wir vom Strand aus Meeresschildkröten im Wasser gesehen.

Essen und Einkaufen
Die Foodtruck-Kultur ist der schönste Teil. An den Highways gibt es kleine, liebevoll gestaltete Picknickplätze, an denen morgens ein Truck einparkt. Wenig Auswahl, dafür sehr gut gemacht. Arepas, Sandwiches, Waffeln, Ceviche.
Im Supermarkt ist die Preislogik ungewohnt: Fleisch, Brot und alles Abgepackte sind günstig, Obst, Gemüse, Käse und pflanzliche Milch sind teuer. Ein kleiner Einkauf für eine große Familie lag schnell bei rund 130 Dollar. Frischen Fisch zu kaufen ist überraschend schwierig, wir mussten dafür gezielt suchen und bis nach Cabo Rojo fahren.
Zwei praktische Hinweise
Sonne. Trotz Lichtschutzfaktor 50 und regelmäßigem Nachcremen hatten wir nach wenigen Tagen rote Stellen. Die Karibiksonne ist stärker, als der Aufenthalt im Schatten vermuten lässt.
Apotheken. Sie sind gut sortiert und das Personal berät ausführlich. Manches, was in Deutschland verschreibungspflichtig ist, bekommt man dort anders geregelt. Das ersetzt keinen Arzt, und wir haben uns die Entscheidung bei unserem Kind nicht leicht gemacht. Eine gut bestückte eigene Reiseapotheke bleibt die bessere Grundlage, siehe Packliste für die Fernreise.
Anreise
Ab Frankfurt neun Stunden bis Washington, Umstieg, dann noch einmal vier Stunden bis San Juan. Ankunft gegen 23 Uhr Ortszeit, in Deutschland war es da bereits vier Uhr morgens. Wir sind am Vortag angereist und haben am Flughafen übernachtet, das hat den Start entzerrt. Mehr dazu unter Fernflug mit Kindern.
Alle Tage einzeln stehen im Reisetagebuch.