Yoga, Ayurveda und ein Abend voller Herzlichkeit

Biegsamkeit und Meditation

Der Morgen begann ganz ruhig.
Umgeben von Grün, Vogelstimmen und warmer Luft rollten wir um 8:00 Uhr unsere Matten im Garten aus.

Unser Yoga-Lehrer war ein echter Yogi. Klein, drahtig, ruhig, mit einer Stimme, die sofort entschleunigte. Er führte uns nicht nur durch klassische Asanas, sondern sprach viel über Meditation, den Einklang von Innen und Außen und die verschiedenen Chakren. Es ging weniger um sportliche Leistung, mehr um Bewusstsein.

Ein Teil der Stunde war reine Meditation. Augen geschlossen. Atmung. Stille.

Besonders beeindruckend: Er unterrichtete die komplette Einheit im Sarong. Beweglich, konzentriert, selbstverständlich.

Der Tag begann wundervoll.

Nach dem Frühstück stürzten sich die Kinder in den Pool. Florin übte weiter das Schwimmen. Währenddessen ging es für Pubuduni und mich am frühen Nachmittag zu einem Ayurveda-Arzt.

Frühstück gemischt: Western und local.

Ein Garten wie aus einer anderen Welt

Onkel und Nirosh brachten uns zu einem Ort, der fast ein wenig mystisch wirkte. Ein wunderschöner Garten, kleine Wege, sattes Grün, leise Stimmen.

Zunächst erklärte uns der Ayurveda-Arzt die Grundlagen: Ayurveda als jahrtausendealte Heilkunst, als Zusammenspiel von Körper, Geist und Energie. Er sprach über Doshas, Balance, innere Hitze und äußere Einflüsse. Dann stellte er verschiedene Behandlungsmöglichkeiten vor.

Ayurveda-Angebot.

Wir entschieden uns für eine Ganzkörpermassage mit anschließendem Körperpeeling.

Öl, Hände, Loslassen – Ayurveda

Wir wurden in einen ruhigen Raum geführt, sollten uns vollständig entkleiden und in einen Sarong hüllen. Das Licht war weich, die Luft warm, ein zarter Kräuterduft lag in der Stille.

Therapie-Raum.
Bereit für Entspannung.

Zunächst setzten wir uns auf kleine Holzhocker. Die beiden Therapeutinnen begannen mit einer Kopf- und Nackenmassage. Vorher durften wir wählen: soft, medium oder hard.

Ich entschied mich für medium.

Was dann folgte, war keine sanfte Streicheleinheit. Es war kraftvoll. Präzise. Selbstbewusst. Warme Hände arbeiteten sich mit festem Druck durch Kopfhaut und Nacken, lösten Spannungen, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie mit mir herumtrug.

Irgendwann hörte ich auf zu denken. Kein innerer Dialog mehr. Kein Plan für morgen. Nur Druck, Wärme, Atem.

Dann legte ich mich auf die Liege.

Warmes Öl wurde großzügig über meinen Körper gegossen. Es rann langsam über Schultern und Rücken, sammelte sich, wurde mit langen, fließenden Bewegungen einmassiert. Die Griffe waren rhythmisch, wiederkehrend, fast hypnotisch. Mal kräftig, mal weich. Immer mit einer Klarheit, die nichts Zufälliges hatte.

Man spürt, dass Ayurveda mehr ist als Wellness. Es geht nicht nur um Muskeln. Es geht um Energie, um Balance, um das Zurückfinden in den eigenen Körper.

Das Öl wärmte, durchdrang die Haut, ließ jede Bewegung langsamer werden. Ich schwebte irgendwo zwischen Wachsein und Wegdriften. Der Körper schwer, der Kopf leicht.

Nach etwa einer Stunde folgte ein Peeling. Eine leicht körnige Paste, unter anderem mit Aloe Vera, wurde mit festen, kreisenden Bewegungen eingearbeitet. Es kribbelte, es belebte, es weckte wieder auf.

Dann führten sie uns durch den Garten zu einer kleinen Lehmhütte.

Dampf. Kräuter. Hitze.

Fünfzehn Minuten saßen wir dort, eingehüllt in Duft und Wärme. Der Schweiß rann, die Gedanken wurden klar.

Nach dem Abrubbeln, dem Anziehen und einem Ingwer-Nelken-Tee fühlte ich mich erstaunlich leicht.

Nicht nur entspannt.
Neu sortiert.

Unsere Therapeutinnen.

Und genau da wurde mir bewusst, wie wertvoll eine längere Reise ist. Drei Wochen unterwegs zu sein, bedeuten nicht nur Programm, nicht nur Sehenswürdigkeiten. Sie lassen Raum für solche Momente. Für Selfcare. Für Innehalten. Für das bewusste Spüren.

Als Onkel mich später mit einem selbst gepflückten Blumenstrauß abholte, fühlte ich mich tatsächlich wie zehn Jahre jünger.

Buddha freut sich auch.

Nicht, weil Falten verschwunden wären.
Sondern weil mein Kopf still geworden war.

Snacks und Einladungen

Auf dem Rückweg hielten wir im Bake Shop und nahmen ein paar Snacks mit. Zurück im Retreat saßen wir alle gemeinsam auf der Terrasse und ließen uns die kleinen Köstlichkeiten schmecken.

Am Abend folgte eine besondere Einladung: Die Gastgeber von Nirosh und Onkel – enge Freunde – wollten für uns kochen.

Das Hotel war einfach, aber sehr sauber und liebevoll geführt. Kaum waren wir angekommen, tauchten immer mehr Familienmitglieder auf, um uns zu begrüßen. Wir fühlten uns sofort willkommen.

Das Essen war – natürlich – hervorragend. Curry, Reis, Gemüse, Salate. Herrlich gewürzt, liebevoll angerichtet.

Bohnensalat.

Die Gastgeber saßen nicht mit am Tisch. In Sri Lanka ist es üblich, dass Gäste zuerst essen. Erst wenn sie fertig sind, nehmen die Gastgeber ihre Mahlzeit ein.

Später erklärte uns Pubuduni, dass ihre Familie sich bei unserem Besuch bewusst unseren Gepflogenheiten angepasst hatte und mit uns gemeinsam gegessen hatte.

Dieser Gedanke rührte uns im Nachgang noch mehr.

Finde die Kartoffeln.

Ein Tag zwischen Selfcare und Familientrubel.
Zwischen Öl, Dampf und herzlicher Gastfreundschaft.

Und wieder das Gefühl: Diese Reise ist mehr als nur Sehenswürdigkeiten.

2 Gedanken zu „Yoga, Ayurveda und ein Abend voller Herzlichkeit

  1. Namaste🙏 Erholung basierend auf jahrhundertelanger Erfahrung, welch tolles Erlebnis. Ich überlege, ob ich so eine Reise nicht auch einmal machen.
    Grüße Klaus

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