Von Kandy nach Ella

Der Morgen begann mit einem vertrauten Ritual: Frühstück im Hotel.
Frisches Obst, viel davon. Und Kaffee Sri Lanka Style.

Also: dünn, etwas säuerlich, eher funktional als genussvoll.

An dieser Stelle mussten wir schmunzeln. Als wir Pubu vor der Reise gefragt hatten, was ihr aus Deutschland wohl am meisten fehlen würde, kam ihre Antwort ohne Zögern: „Kaffee.“
Sie hatte uns also vorbereitet. Und wir waren gewarnt.

Nach dem Frühstück packten wir das Auto und machten uns auf den Weg.

Zahntempel – heilig und bedrückend

Erster Halt: der Zahntempel in Kandy, offiziell Sri Dalada Maligawa.

Der Tempel zählt zu den heiligsten Orten des Buddhismus weltweit. Hier wird, in einer reich verzierten goldenen Schatulle, ein Zahn Buddhas aufbewahrt. Diese Reliquie gilt seit Jahrhunderten als Symbol spiritueller und historisch auch politischer Bedeutung. Wer sie besaß, so glaubte man früher, hatte das Recht zu regieren.

Schon das Gelände rund um den Tempel beeindruckte mich sehr. Mitten in der Stadt, direkt am See und doch weitläufig und ruhig. Viele weiß gekleidete Buddhisten bewegten sich langsam über das Gelände, Blumen in den Händen, oft mit ernsten, konzentrierten Gesichtern. Es hatte etwas Würdevolles, fast Feierliches.

Der Eintritt für ausländische Besucher lag bei etwa 2000 Rupien pro Person (rund 6 Euro).

Wie immer gingen wir barfuß hinein, ohne Kopfbedeckung, mit bedeckten Schultern und langen Hosen.

Und genau da begann mein innerer Zwiespalt.

Im Inneren war es sehr voll. Gläubige und Touristen drängten gleichermaßen nach vorne, um während der kurzen Öffnungszeit einen Blick auf die Schatulle mit dem Zahn zu erhaschen. Es wurde geschoben, gerückt, man stand dicht an dicht. Es steckten mehrfach fremde Fußnägel in meinen Hacken.

Ich hatte das Gefühl, einen sehr intimen, spirituellen Moment zu beobachten, ohne wirklich dazuzugehören. Niemand behandelte uns unfreundlich. Im Gegenteil. Aber ich fühlte mich ein wenig wie eine Voyeurin. Als würde ich etwas sehr Persönliches beobachten, das eigentlich nicht für mich gedacht war.

Vielleicht lag es an der Enge. Vielleicht an der Mischung aus Pilgerstätte und Touristenattraktion. Vielleicht einfach daran, dass Spiritualität sich für mich anders anfühlt.

Draußen, im Freien, konnte ich wieder durchatmen.

Nicht so viel Bock auf Tempel.

Mall, Rollercoaster und endlich guter Kaffee

In der Nähe sollte es eine Mall geben und da wir wussten, dass der Weg nach Ella kurvenreich und lang werden würde, beschlossen wir spontan einen Zwischenstopp.

See von Kandy.

Die Mall überraschte uns. Klimaanlage. Neonlicht. Interaktive Spielzone mit Rennsimulatoren und virtuellem Rollercoaster. Für die Teenager ein Volltreffer.

Kofferuntauglich, leider.

Florin entdeckte einen kleinen Indoor-Spielplatz. Eintritt: 60 Cent für eine halbe Stunde. Eine junge Frau nahm ihn freundlich entgegen, ich wartete draußen.

Direkt daneben: Burger King. Mit Ninja Turtles im Kids Menü. Und erstaunlich gutem Kaffee.

Den gönnten wir uns. Mit Genuss.

Natürlich musste ein Ninja-Burger grün sein.

Gegen 13 Uhr saßen wir wieder im Bus, abfahrtbereit nach Ella.

5,5 Stunden Kurven

Die Strecke nach Ella gilt als eine der schönsten und gleichzeitig anstrengendsten Routen des Landes. Sie führt hinein ins Hochland, vorbei an Teeplantagen, durch kleine Orte, immer höher hinauf.

Unzählige Serpentinen. Enge Kurven. Steile Anstiege. Tiefe Täler.

Ich kämpfte mit Übelkeit. Während draußen grüne Hänge vorbeizogen, konzentrierte ich mich darauf, nicht allzu intensiv aus dem Fenster zu schauen.

Die Fahrt dauerte etwa fünfeinhalb Stunden und als wir endlich ankamen, waren wir heilfroh.

Nicht nur wegen der Aussicht.
Sondern auch, weil sich niemand übergeben hatte.

Ein Baumhaus über dem Dschungel

Das Hotel in Ella war eine Überraschung, im besten Sinne!

Unsere Familiensuite wirkte wie ein Baumhaus. Große Glasfronten, Blick direkt in den Dschungel. Grün, soweit das Auge reichte. Man hörte Vögel, Wind, streitende Affen.

Kurz frisch machen. Durchatmen. Dann noch Abendessen mit Aussicht. Für Florin bestellten wir Pommes und waren sehr überrascht, als diese komplett mit Chili-Pulver überzogen waren.

Abendessen mit View und Dschungel-Geräuschen.

Wir waren sehr müde.
Aber glücklich.

Und ein bisschen stolz auf unsere Serpentinen-Tauglichkeit.

Ein Gedanke zu „Von Kandy nach Ella

  1. Namaste🙏, Ja Stefanie, du hast recht, mit dem Besichtigen von Reliquien stellt sich keine spirituelle Stimmung ein. Noch dazu wenn man weiß, worum es Buddha eigentlich ging: nicht um dummen Aberglauben , sondern um die Befreiung des Menschen vom Leiden.
    Aber als Weltenbummler ist man in solchen Situationen eher zurückhaltend und schaut, hört und denkt sich seinen Teil.

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