Einladung zum Lunch und weiter nach Anuradhapura

Um 10:00 Uhr begann unser erster Transittag.
Unser Fahrer holte uns pünktlich ab und brachte eine kleine Überraschung mit: Neben ihm saß ein älterer Herr, der sich als Helfer und Techniker vorstellte. Offenbar reist man hier mit doppelter Absicherung. Später sollte sich herausstellen, dass dieser „Onkel“, wie wir ihn nennen durften (dazu später mehr), die ultimative Geheimwaffe ist: Geduldig, immer ein Auge auf Florin habend, always ready to fight against anything, liebenswert und angenehm. Unser Fahrer Nirosh war ebenfalls ein angenehmer Mensch, hatte sehr gute Ausflugsideen und störte sich nicht an unseren spontanen Planänderungen.

Vorfreude auf das Familien-Lunch.

Den Fahr-Service hatte ich von Deutschland aus gebucht. Uns war wichtig, dass wir als so große Gruppe zuverlässig vorankamen. Public Transport war möglich und gut ausgebaut, aber mit unserem vielen Gepäck keine Option. Bereits im Januar hatte ich verschiedene Angebote eingeholt und mit den Agenturen gesprochen.

Der Bus war großzügig bemessen, ausgelegt für zehn Personen, mit reichlich Platz für unser Gepäck. Nach den ersten Tagen mit TukTuks fühlte sich das fast luxuriös an.

Zwischenstopp in Kuliyapatiya

Unser erster Halt nach etwa einer Stunde führte uns nach Kuliyapatiya, dem Heimatort von Pubudunis Familie. Noch bevor wir zum Haus fuhren, legten wir einen kurzen Stopp an ihrer ehemaligen Schule ein.

Public School von Kuliyapatiya.

Dort war gerade Sportfest.

Etwa 600 Kinder standen auf dem Schulhof. Weiße Blusen, schwarze Hosen, dazwischen einzelne bunte Krawatten in den srilankischen Nationalfarben. Wettkämpfe liefen, Gruppen sammelten sich, Bewegung überall und plötzlich standen Carsten, Pubuduni und ich mittendrin.

Eine tolle Stimmung.

Für einen kurzen Moment schien alles langsamer zu werden. Gespräche verstummten, Blicke hoben sich. Eis und Schulbrote blieben halb in der Hand. Alle Augen richteten sich auf uns.

So oft kommen hier vermutlich keine deutschen Besucher vorbei.

Noch ein kurzer Abstecher zum Klassenzimmer, ein paar Fotos auf dem Schulhof und schnell zurück zur wartenden Reisegruppe.

Klassenzimmer.
Bankreihen.

Endlich die Mama

Dann ging es weiter zum Haus der Familie.
Und endlich konnte ich Pubus Mama sehen und umarmen.

Eine unfassbar starke, warmherzige Frau. Mir war sofort klar, woher Pubuduni ihr Temperament und ihren Humor hat. Auch Bruder und Schwester waren da. Der Papa arbeitet im Ausland und ist nur alle paar Monate zu Hause.

Wir wurden begrüßt, wie man es sich nur wünschen kann: selbstgemachte Süßigkeiten, Kokoskuchen, Ölkuchen, Kekse und King Coconut Wasser. Carsten war sofort in der Küche verschwunden, angezogen von den Düften. Pubus Mama und Dulhani hatte seit Tagen vorbereitet. Der Bruder ging an diesem Tag extra nicht zur Schule.

Es duftete köstlich.
Unter jedem Deckel befand sich eine andere Köstlichkeit.

Im Haus herrschte ein lebendiges Gewusel. Deutsch, Singhalesisch, Englisch – alles gleichzeitig. Das Haus selbst war gemütlich, der Garten klein, aber dicht bepflanzt mit Kräutern, Obst und allem, was essbar und in der Küche verwertbar ist.

Fischbällchen und Papadams.

Dann wurde aufgetischt.

Der Tisch bog sich unter Currys, Fisch, Huhn (überwiegend vegetarisch) dazu perfekt gegarter Reis. Es war eines dieser Essen, bei denen man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Gespräche, Lachen, Nachschlag. Eine internationale Familie an einem Tisch. Für uns gab es Besteck, alle anderen aßen mit den Händen.

Ein Festmahl.

Das war einfach nur wundervoll und wir fühlten uns mehr als Willkommen. Eine zweite Familie auf der anderen Seite der Welt zu haben, ist etwas ganz besonderes und macht mich demütig.

Weiter nach Anuradhapura

Am Nachmittag verabschiedeten wir uns schweren Herzens. Pubuduni würde während unserer Reise noch einmal zu ihrer Familie zurückkehren, um ihre Deutsch-Prüfung abzulegen.

Die Fahrt führte weiter nach Anuradhapura. Als wir am späten Abend am Hotel am See ankamen, wartete eine kleine Ernüchterung. Die Zimmer waren… sagen wir: ausbaufähig.

Schläfchen unterwegs.

Aber nach so einem Tag relativiert sich vieles. Wir spazierten noch am See entlang zu einem Restaurant, ließen den Abend ruhig ausklingen und beschlossen, schlechte Zimmer einfach mit Humor (und einer Portion Desinfektionsmittel) zu nehmen. Ich war sowieso versöhnt, entdeckte ich im See doch eine Schildkrötenfamilie.

See von Anuradhapura.
Sagt mal „Kackapopo!“

Ein Tag, der mir besonders im Herzen bleiben wird.

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